Kategorie: archiv & bibliothek

Exkursionen ins Literarchiv: Dichtung bewahren und bearbeiten

»Dichternachlässe« – so hieß ein Seminar, das Marit Heuß im Sommersemester 2022 an der Eberhard Karls Universität Tübingen durchführte. Ein Bestandteil des Seminars waren Exkursionen ins Deutsche Literaturarchiv Marbach, wo die Studierenden auch mit originalen Manuskripten arbeiteten. Mit Marit Heuß sprach Adela Sophia Sabban.

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Transatlantischer Bücherverkehr 2: Claire und Yvan Goll

»Mit europäischen Grüßen«, sandte Yvan Goll 1928 ein Exemplar seines neu erschienen Romans ›Der Mitropäer‹ an Kurt Pinthus. Der freundliche Büchergruß ist jedoch nicht als kosmopolitische Geste misszuverstehen, als Ausdruck der Hoffnung Golls, dass in einem geistigen Ideal europäischer Kultur und Politik nationalistische Ressentiments bald überwunden sein werden. Im Gegenteil, Golls Roman ist eine bissige Satire auf den Geisteszustands Europas der Zwischenkriegszeit.

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Transatlantischer Bücherverkehr 1: Kurt Pinthus und Hilde Domin

Die Fallstudie ›Transatlantischer Bücherverkehr‹ des Verbunds Marbach Weimar Wolfenbüttel hat nach den Transferrouten und Migrationswegen von Bibliotheken und Autografen zur deutschen Literatur in der Zeit nach 1945 geforscht. Am Beispiel exponierter Translokationen – darunter die Bibliothek von Kurt Pinthus und die Autografenkatalog-Sammlung Stefan Zweigs – wurden rote und gerissene Fäden im Reden über die materiale Überlieferung zur deutschen Literatur sichtbar. Aus der Bibliothek von Pinthus stammt auch das als Beitragsbild gezeigte Widmungsexemplar von Hilde Domins Gedichtband ›Rückkehr der Schiffe‹, der implizit auch etwas über zwei besondere Akteure im literarischen Feld der Nachkriegszeit erzählt.

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Deutsch-französische Freundschaften

2023 hat das Deutsche Literaturarchiv in der
BBAW am Gendarmenmarkt eine Dependance eröffnet. Am 20. Januar waren wir im Rahmen des Salon Sophie Charlotte mit Veranstaltungen präsent. In dieser Folge: Sandra Richter, Direktorin des DLA, führt gedanklich vom Neckar an die Spree. | Deutsch-französische Freundschaften: Heimito von Doderer, Marguerite Yourcenar und Jean Cocteau im Familien-Archiv Wiemer-Boudot-Lamotte vorgestellt von Nikola Herweg (DLA) im Gespräch mit Emmanuel Wiemer.

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Bibliothek ergänzt ihre Sammlung mit seltenen Erstausgaben verfolgter Schriftstellerinnen und Schriftsteller

Die Bibliothek des Deutschen Literaturarchivs arbeitet kontinuierlich am retrospektiven Ausbau ihrer Bestände. Dabei kann sie hin und wieder vom Engagement privater Sammlerinnen und Sammler profitieren, die oft über Jahrzehnte in leidenschaftlicher Detektivarbeit den antiquarischen Buchmarkt durchforsten, immer auf der Suche nach der nächsten Ergänzung ihrer Schatzkammern zu Hause.

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außer der reihe 11: die Maske des freundlichen Bürgers täuscht. Zum 125. Todestag von Conrad Ferdinand Meyer

Dass Literatur und ihre Archive Grenzen überwinden können, ist eine Hoffnung, vielleicht sogar eine Binsenwahrheit). Im Literaturbetrieb Deutschlands, Österreichs und der Schweiz spielen nationale Grenzen zumeist keine Rolle: Der Meister des Wiener Volkstheaters, Johann Nestroy, war auch auf seinen Auslandstourneen als Schauspieler und Theaterautor höchst erfolgreich und spielte u.a. in Amsterdam, Hamburg und Berlin. Und wer als Schweizer Autor im 19. und 20. Jahrhundert ein größeres Publikum erreichen wollte, publizierte in einem deutschen Verlag. So auch Conrad Ferdinand Meyer, dessen 125. Todestag auf den 28. November fällt.

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außer der reihe 10: Friedrich Theodor Vischer

›Bilder und Objekte‹, so heißt ein Sammlungsbereich im Deutschen Literaturarchiv, der literarisches Leben auf ganz besondere Weise anschaulich macht. Neben Porträts bilden weitere biografische und wirkungsgeschichtliche Bildzeugnisse den Kern des über 450.000 Stücke umfassenden Bestandes: Ansichten von Lebensstätten, Gräbern und Denkmälern, Illustrationen, Schutzumschläge und deren Entwürfe, Szenenfotos und Plakate. Einen besonders umfangreichen Sammlungsschwerpunkt stellen Fotokonvolute und Alben mit mehr als 360.000 Einzelfotografien dar. Doch auch Kurioses ist hier zu finden, zum Beispiel eine Schere von Hans-Georg Gadamer, eine Gabel von Franz Kafka – und die Verpackung einer »Schnauz-Nadel« von Friedrich Theodor Vischer. Was hat es damit auf sich?

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außer der reihe 9: hugo von hofmannsthal

Die Salzburger Festspiele sind am 31. August zu Ende gegangen – mit einer Rekordauslastung von 98,5 Prozent. Das ganze Jahr präsent ist der Mitbegründer der Festspiele, Hugo von Hofmannsthal, im Freien Deutschen Hochstift in Frankfurt und im Deutschen Literaturarchiv Marbach – am Main und am Neckar bewahren diese beiden großen Archive Werkmanuskripte, Aufzeichnungen, Briefe und Fotos eines Dichters und Herausgebers, von dem viele heute nur noch sein Schauspiel ›Jedermann‹ kennen. Doch Hofmannsthal ist einer der vielseitigsten Autoren des 20. Jahrhunderts.

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außer der reihe 8: aldous huxley

»Nun erreichte mich soeben aus Kalifornien die Nachricht, dass Aldous Huxley an Krebs erkrankt sei und im Sterben liege. Dieser grosse Geist und wundervolle Mensch wird nicht zu ersetzen sein.« Das schreibt aus der Schweiz der Chemiker und LSD-Entdecker Albert Hofmann an Ernst Jünger im oberschwäbischen Wilflingen am 7. November 1963.

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erinnern, schreiben, sammeln. am Beispiel von Albert ehrenstein

Welches Archiv träumt nicht heimlich davon, das ›Aleph‹ im Keller zu haben? Jenen Punkt im Raum, von dem Jorge Luis Borgesʼ Erzählung Das Aleph erzählt, ein Punkt, der alle Punkte der Welt in sich enthält. Zwar lagert das Deutsche Literaturarchiv Marbach (DLA) seine Schätze unterirdisch, doch das Aleph wurde dort noch nicht gefunden. Immerhin ist das DLA ein lebendiges Gedächtnis, in dessen Räumen sich die Erinnerungen und Sammlungen vieler befinden. Imaginäre Begegnungen drängen sich fast unvermeidlich auf, wenn man einzelne Bestände des Archivs ins Auge fasst …

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