Kategorie: ereignis & gespräch

Traurige Weihnachten im Jahr 1946

Weihnachtslieder heißen auf Ukrainisch ›Koladky‹. Sie sind meistens sehr alt und sehr beliebt, werden also gerne gesungen. Traditionell sammeln sich die Kinder und Erwachsene in der Weihnachtszeit in Gruppen, kleiden sich in die traditionellen Kostüme und gehen vom Haus zu Haus zum ›Vertep‹. Dabei handelt es sich um ein traditionelles Mysterienspiel, bei dem oft auch aktuelle politische Themen vorkommen. Deswegen wurde der Vertep zur Sowjetzeit verboten. Diese Tradition überlebte nur im Untergrund. In den westukrainischen Dörfern gingen die Vertepe heimlich vom Haus zu Haus und rezitierten vorbereitete Verse, spielten lustige Szenen, sangen Weihnachtslieder. Weihnachtslieder waren generell auch verboten. Wegen des religiösen Inhalts, aber auch wegen politischer Anspielungen.

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Gerechtigkeit ist Gutherzigkeit, die in Millimeter bemessen wird

So beantwortet Djalapita, Hauptfigur der gleichnamigen Erzählung der in München lebenden ukrainischen Autorin und Künstlerin Emma Andijewska, die Frage ›Was ist Gerechtigkeit?‹ Andijewska veröffentlicht ihre Bücher auf eigene Kosten und verschenkt sie gerne. So kommt es, dass einige ihre Bücher im DLA zu finden sind, zwei davon im Nachlass von Paul Celan.

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Femina melancholica aus Czernowitz

»Eure Hochwohlegeborene « – mit diesen Worten beginnt die ukrainische Schriftstellerin Olha Kobylanska ihren Brief an den Cotta Verlag vom 5. Juni 1906. Die Handschrift ist schön, aber schwer zu entziffern. In ihrem Brief bietet Kobylanska dem Verlag ihre Novelle ›Die Aristokratin‹ zur Publikation an. Sie hat den Text selbst übersetzt, aus dem Ukrainischen, das sie – wie damals üblich – »Kleinrussisch« nennt. Die Bezeichnung ›Ukrainisch‹ wird erst wenige Jahre später geläufig. Zur Veröffentlichung der Novelle kam es wohl nicht, aber ihr Brief hat sich im Deutschen Literaturarchiv Marbach erhalten.

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Gibt es ein Leben nach dem Tod?

Hier im Westen kannte kaum einer Winnycja. Erst durch die schlimmen Nachrichten aus dem Ukrainekrieg erscheinen solche Städte auf unseren inneren Landkarten. Natalka Sniadanko, zurzeit Writer in Residence am Deutschen Literaturarchiv Marbach, kennt die Stadt Winnycja und ihre Geschichte(n).

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Erschossene Renaissance der ukrainischen Literatur

Es gibt nicht viele Romane der ukrainischen literarischen Moderne, die ins Deutsche übersetzt wurden. ›Die Stadt‹ von Walerjan Pidmohylnyj (1901–1937) erschien vor kurzem in Guggolz Verlag in Berlin, ins Deutsche übertragen von Alexander Kratochvil, Lukas Joura, Jakob Wunderwald und Lina Zalitok. Den Titel erinnert an Marlen Haushofers Roman ›Die Wand‹ – und es geht in Pidmohylnyjs Roman auch ein bisschen um eine Wand, genauer gesagt um die Mauer, die schreckliche Realität hinter dem Eisernen Vorhang.

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»Ich hab’ geträumt, der Winter wär’ vorbei« – Rio Reiser im Deutschen Literaturarchiv Marbach

Die Band ›Ton Steine Scherben‹ beeinflusste die Alternativszene der 70er- und 80er-Jahre, ihre Songs wirken bis heute nach. Im Juni 2019 gab das DLA bekannt, dass sie den künstlerischen Nachlass des Scherben-Sängers Rio Reiser (1950–1996) übernommen haben. Wie sieht der Nachlass eines Musikers aus? Gunilla Eschenbach hat sich intensiv mit dem Nachlass beschäftigt und erzählt in der heutigen Podcast-Folge von Notenblättern, Songtexten und der Erschließung. 

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Sibirische Lerchen

1982 hat Sarah Kirsch fast jeden Monat an den inhaftierten ukrainischen Bürgerrechtler und Intellektuellen Wassyl Stus geschrieben. Natalka Sniadanko, Übersetzerin, Journalistin und zurzeit Writer in Residence am Deutschen Literaturarchiv Marbach, über ihre Recherche im Archiv.

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Russisch als schleichendes Gift

Sprache, Krieg und Propaganda. Natalka Sniadanko, Übersetzerin, Journalistin aus der Ukraine und zurzeit Writer in Residence am Deutschen Literaturarchiv Marbach, denkt über ein gefährliches Gemisch und dessen mörderische Folgen nach.

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Bringen Waffen Frieden in der Ukraine oder eine Fortsetzung des Krieges?

Sie hätte nie gedacht, jemals mit deutschen Intellektuellen über Waffen und Waffenlieferungen diskutieren zu müssen. Nun aber ist die Natalka Sniadanko, Übersetzerin, Journalistin aus der Ukraine und zurzeit Writer in Residence am Deutschen Literaturarchiv Marbach, dazu gezwungen.

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It’s Hard to Love your Literary Studies

Ervin Malakaj (University of British Columbia) is not interested in maintaining received German literary studies because the institution has brought much pain to him and his comrades. He associates it with harmful pedagogies, exclusionary epistemic and analytic contours, and elitist aspirations that produce violent relational practices.

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