datieren heißt, das unwiederholbare zu wiederholen …

Einer der ersten Lyriker, der seine Gedichte datiert, ist Friedrich Georg Klopstock. Er ordnet seine Oden chronologisch zur Autobiografie in Gedichten: Poesie scheint untrennbar mit einem ganz besonderen Augenblick verbunden. Dieses Verklären gewöhnlicher Daten geht Hand in Hand mit dem Gegenteil – einer allmählichen Entfernung des Autors von seinem Gedicht:

 

»Nur ›gedichtlang‹ sind wir die Mitwisser unserer eigenen Gedichte«, schreibt Celan, »wären wir es über die Dauer seines Entstehens hinaus, unser Gedicht würde damit das Geheimnis des uns Begegnenden verlieren – wir sind auch als deren Ich, das erste Du unserer Gedichte –, es wäre, da es ja nicht mehr auf uns zukäme, von uns aus und somit jederzeit herstellbar – und also kein Gedicht mehr.« Die Wörter durchlaufen einen Prozess, erfahren einen ›qualitativen Wechsel‹, um ›zum Wort im Gedicht‹ zu werden.

 

24 Objekt-Karten aus dem Deutschen Literaturarchiv zeigen, welche Vernetzungen aufgrund der Datierungen zwischen Paul Celans Gedichten, seinen Büchern und den Briefen und Bildern in seinem Nachlass möglich sind und wie sich damit sogar eine besondere Art des Literaturquartetts spielen lässt: »Skat mit / Geokraten. Tarock. Oder, besser, das Hochgedicht.« Zu den Objekt-Karten: https://www.yumpu.com/de/document/view/64786834/sechs-x-vier-karten-datierungen-in-paul-celans-nachlass

 

Heike Gfrereis

 

Beitragsbild: Streichung der Jahreszahl in Paul Celans Hölderlin-Gedicht ›Tübingen, Jänner‹. Foto: DLA Marbach.

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