das summen europas. beethovens ode an die freude

Coronazeiten sind schwierige Zeiten für Chöre, Vokale-Ensembles und Kirchengemeinden, es ist kaum möglich, zu proben, aufzutreten, einfach zu singen. Dabei haben viele das Bedürfnis, ihre Stimmer (wieder) mit andern zusammen zu erheben, singend eine gemeinsame ›Botschaft‹ zu artikulieren. Aber welche Botschaft? Gerade weil Singen die Menschen verbindet und dabei an die Gefühle appelliert, wurden und werden Songs aller Art nicht selten missbraucht. Eine schwungvolle Melodie, ein eingängiger Rhythmus, sie tragen mitunter über dubiose Inhalte hinweg. Nationalhymnen stehen deswegen unter besonderer Beobachtung: Nicht immer entsprechen die alten Texte neuen Werten, nicht immer fühlen sich alle Bewohner eines Staates durch die gesungenen Worte und Werte angesprochen und vertreten.

 

Vor diesem Hintergrund ist es ein kleines Wunder, dass es sogar eine offizielle Europahymne gibt. Sie will die Nationalhymnen der EU-Länder nicht ersetzen, sondern steht für die Werte, die diese Länder teilen: Freiheit, Frieden und Solidarität. Bereits 1955 hatte Richard Nikolaus Coudenhove-Kalergi, Gründer der Paneuropa-Union, die Chorfassung Beethovens mit dem deutschen Text Friedrich Schillers als Europäische Hymne vorgeschlagen. Eine Idee, die nicht verlorenging. Ein offizielles Sitzungsprotokoll vom 30. April 1971 hält fest, dass es für die Europahymne keinen Wettbewerb geben soll, denn »there were tunes that had universal value for Europeans; the last movement of Beethoven’s 9th Symphony would have such value, and the composer was justly regarded as one of the greatest of European geniuses, with no particular nationality connotation; the words of the ›Ode of Joy‹ should be replaced later on by a genuinely European text that might be selected by competition, but meanwhile Beethoven’s tune could be proposed as European anthem.«

 

Der österreichische Dirigent Herbert von Karajan wurde mit dem Arrangement dreier Versionen beauftragt: für Klavier, Blasorchester und Sinfonieorchester. 1985 wurde die Instrumentalversion von den damals zehn Staats- und Regierungschefs der Europäischen Gemeinschaften als offizielle Hymne der Europäischen Gemeinschaft angenommen.

 

Graf Coudenhove-Kalergis Idee war Wirklichkeit geworden. Allerdings blieb es bei einer Hymne ohne Worte. So wird keine europäische Sprache bevorzugt – und Menschen aller Sprachen können mitsummen, wenn die Hymne erklingt. Nicht alle möchten es dabei belassen. Immer mal wieder wurden Schillers Verse passend zu Beethovens Melodie übersetzt. Eine Europäische Bürgerinitiative schlug sogar eine Esperanto-Übersetzung von Beethovens Chorfassung als Text für die Europahymne vor, was die Europäische Kommission jedoch ablehnte.

 

Kennen Sie Übersetzungen von Schillers Worten, die sich auf Beethovens Melodie auch singen lassen? Sie erinnern sich:

 

Freude, schöner Götterfunken,

Tochter aus Elysium,

Wir betreten feuertrunken,

Himmlische, dein Heiligtum!

Deine Zauber binden wieder

Was die Mode streng geteilt;

Alle Menschen werden Brüder,

Wo dein sanfter Flügel weilt.

 

Wenn Sie solche Übersetzungen kennen, dann würden wir diese gerne sammeln. Vielleicht werden Sie auch selbst zum Übersetzer oder zur Übersetzerin. Die eingegangenen Übersetzungen wollen wir auf unsere Website stellen, zusammen mit einer Bibliografie der Übersetzungen des ganzen Gedichts. Schreiben Sie uns also gerne:

 

dietmar.jaegle@dla-marbach.de

 

Und hier noch zum Nachhören Herbert von Karajans Fassungen …

 

für Sinfonieorchester

https://www.youtube.com/watch?v=1-T4_ylNnOY

 

für Blasorchester

 

Dietmar Jaegle

Beitragsbild: Das Autograph von Schillers ›Ode an die Freude‹ im DLA. Foto: DLA Marbach.

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