schöner streichen

Mit der zunehmenden Prosaisierung von dramatischen und erzählenden Texten Mitte des 18. Jahrhunderts werden der Vers und sein Stellvertreter, der eingerückte Textblock, das Alleinstellungsmerkmal der Lyrik, das sie entsprechend inszeniert: Ein Gedicht ist das, was auf den ersten Blick aussieht wie eins. Hölderlin streicht eine Strophe in Der Lorbeer so, dass sie immer noch als Strophe sichtbar bleibt. Poems nennt der Künstler Carl Andre Balken, die er in den 1960er-Jahren auf dem Papier zu Text-Formationen anordnet. 1951 spitzt Gottfried Benn zu: »Wenn Sie am Sonntag morgen Ihre Zeitung aufschlagen, und manchmal sogar auch mitten in der Woche, finden Sie in einer Beilage meistens rechts oben oder links unten etwas, das durch gesperrten Druck und besondere Umrahmung auffällt, es ist ein Gedicht.«

Heike Gfrereis

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