lesen messen lektüre im labor

Anfang 2019 haben das Deutsche Literaturarchiv Marbach, das Freie Deutsche Hochstift / Goethe-Haus Frankfurt a.M., das Leibniz-Institut für Wissensmedien Tübingen, das Institut für Psychologie der Universität Tübingen und das Max-Planck-Institut für empirische Ästhetik Frankfurt das ›Netzwerk literarischer Erfahrung‹ ins Leben gerufen.

 

Zur Ausstellung ›Hölderlin, Celan und die Sprachen der Poesie‹ gehören daher auch Laborstationen, an denen Besucher mehr darüber erfahren können, wie Gedichte auf sie wirken. Barbara Kaup und Rolf Ulrich von der Universität Tübingen und Stephan Schwan vom Institut für Wissensmedien haben wir nach ihren Schwerpunkten im Bereich der empirischen Lese- und Ausstellungsforschung gefragt.

 

Was interessiert Sie an der empirischen Leseforschung? // Barbara Kaup und Rolf Ulrich: Alles, was Rückschlüsse auf die zugrundeliegenden Mechanismen des Verstehens erlaubt. // Stephan Schwan: Mich interessiert Leseforschung, wenn sie zur Lektüreforschung wird, wenn es nicht mehr nur um das Nachvollziehen und Verstehen eines kurzen Textfragments geht, sondern um das genussvolle Eintauchen in ein Werk oder das intellektuell herausfordernde, vielleicht auch mühevolle Abarbeiten an Literatur.

 

Was kann Leseforschung im Museum? // Barbara Kaup und Rolf Ulrich: Hier interessiert uns zum einen, dass man die Forschung auf andere Textsorten ausweiten könnte (nicht nur auf artifizielle Texte, sondern auf ökologisch valide) und auch auf andere Teilnehmer (nicht nur auf Studierende).

 

Was gehört für Sie in ein Labor, in dem man literarische Erfahrungen so untersuchen kann, dass sie zum einen wissenschaftlich präzise beschrieben werden können, zum anderen den Lesern bewusster und vielleicht überhaupt erst zugänglich und erfahrbar werden? // Barbara Kaup und Rolf Ulrich: Wir fänden es interessant zu untersuchen, von welchen Faktoren es abhängt, wie gut man sich als Leser in den Text bzw. Protagonisten hineinversetzen kann (Stichwort: Immersion oder auch kognitive Simulation), wie schnell dann die Zeit beim Lesen vergeht und wann es zum Mindwandering kommt. Und: Durch welche Faktoren werden ästhetische Urteile zu Texten beeinflusst?

 

Lesen wir digital anders als analog? //  Stephan Schwan: Die Leseforschung hat in den letzten Jahren einige Belege dafür erbracht, dass Sachtexte von ihren Lesern weniger tief verarbeitet werden, wenn sie digital vorliegen. Wie dagegen digitale Belletristik mental verarbeitet wird, darüber wissen wir noch wenig. Wir sollten auch nicht vergessen, dass digitale Lektüre sehr vielfältig sein kann; es macht sicher einen Unterschied, ob man einen Roman auf dem Handy, am Bildschirm auf dem Schreibtisch oder auf einem eBook-Reader liest.

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