Babelwerk

Noch nie war das Wissen der Übersetzerinnen und Übersetzer, der Austausch, die Beschäftigung mit Möglichkeit und Qualität von Übersetzungen – das Nachdenken über die Poetik der Übersetzung also – so vielsinnig und vielschichtig und vielsprachig wie heute. Doch mehrheitlich konzentriert sich die Forschung zur Übersetzungskultur immer noch auf Lexik- und Textvergleiche (wodurch zeichnet sich welche Übersetzung aus?) und auf bewertende Diskussionen einzelner Übersetzungsentscheidungen. Als Materialien dienen neben den veröffentlichten Werken vor allem Briefe, Gutachten, Manuskripte, Verträge – aus Nachlässen von Autoren, Zeitschriften und Verlagen. Dass Übersetzer ›eigene vier Wände‹ haben, im Bergwerk der Sprache eigene Wege und Umwege und Irrwege gehen, dass sie als Kulturtransporteure eigene Monologe und Dialoge mit der Originalsprache und der Originalkultur ebenso wie mit der Zielsprache und Zielkultur führen, erkennt man in seiner Bedeutung erst, wenn man ihre Nachlässe studiert.

Wortliste von Peter Urban. © DLA Marbach und Jutta Hercher.

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>>> Einführungstext Marie Luise Knott: https://babelwerk.de/nachgelassenes/was-uebersetzer-hinterlassen/
Der Deutsche Übersetzerfonds (DÜF) hat sich mit dem Deutschen Literaturarchiv Marbach (DLA) zusammengeschlossen: In gemeinsamen Workshops und in vom DÜF bereitgestellten Stipendien erforschen Übersetzende die Nachlässe ihrer Kolleginnen und Kollegen. Nun liegen erste Essays vor, die aus diesen Forschungen hervorgegangen sind.


>>> »Übersetzen (Dich), das ist selber schreiben.« – Der Briefwechsel zwischen Georges-Arthur Goldschmidt und Peter Handke: https://babelwerk.de/nachgelassenes/uebersetzen-dich-das-ist-selber-schreiben/
Der deutsch-französische Schriftsteller Georges-Arthur Goldschmidt schrieb lange Zeit nur auf Französisch. 1971 übersetzte er erstmals Peter Handke, der seinerseits 1982 zum ersten Mal Goldschmidt ins Deutsche übertrug. Seither sind sie, trotz aller politischen Unterschiede, befreundet geblieben. Welche Debatten haben die beiden Autoren über das Übersetzen geführt? Wie haben sie sich in der Sprachbetrachtung gegenseitig beeinflusst? Ihr Briefwechsel, aufgehoben in zwei Literaturarchiven und zum Teil unerschlossen, gibt wertvolle Einblicke.


>>> Die permanente Revision. Notizen zu Anneliese Botonds Übersetzungskunst: https://babelwerk.de/nachgelassenes/die-permanente-revision/
Ignacio Morán erweist der Suhrkamp-Lektorin und Übersetzerin vor allem südamerikanischer Literatur Anneliese Botond eine Hommage. Aus im Suhrkamp-Archiv gesichteten Dokumenten destilliert er die Arbeitshaltung und die vielgestaltigen Kompetenzen einer Übersetzerin heraus, die mit jedem neuen Werk und jedem Arbeitsschritt ihre Kunstfertigkeit vermehrte.


>>> »Die rückständigen Europäer« – Mit Richard Wilhelms Nachlass auf Gedankenreise in die Kolonialgeschichte: https://babelwerk.de/nachgelassenes/die-rueckstaendigen-europaeer/
Karin Betz hat im Archiv der Bayerischen Akademie der Wissenschaften zum Pionier der Übersetzungen von Klassikern der chinesischen Philosophie ins Deutsche geforscht und einen großen Humanisten entdeckt, dessen Tagebücher und Briefe viel Erhellendes über die unrühmliche deutsche Kolonialgeschichte in China und das Chinabild der Weimarer Republik bieten.


Marie Knott / Nina Thielicke


Beitragsbild: Oskar Pastior: Pralinenschachtel mit Buchstaben zum Anagrammieren. Foto: DLA Marbach.

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