Kafkas Gabel, Architektur, Handschriften, interaktive Tische und »Affekaschberei«

Insgesamt wurden rund 420 Karten ausgefüllt, die fünf unterschiedliche Befragungsschwerpunkte setzen: Mit den Fragen Literatur ist für mich … und Wenn ich lese, so ist das für mich vor allem … möchten wir etwas über die persönliche Beziehung der Besucher/-innen zu Literatur erfahren. Auf diese beiden Fragen haben wir 291 Antworten erhalten, also fast drei Viertel aller Antworten überhaupt. Viele Museumsbesucher/-innen formulierten sinngemäß, ihre Leseaktivität versetze sie in andere Welten, beflügle ihre Fantasie, sorge aber auch für Entspannung und biete Befreiung vom Alltag. Sie erachten also den entspannenden und phantasieerweiternden Aspekt ihrer Beschäftigung mit Literatur als den für sie zentralen.

 

Rund 90 Antworten haben wir auf die Fragen Interessant finde ich an einem Literaturarchiv … und Am meisten interessiert mich an einem Literaturmuseum … erhalten. Was zieht unsere Besucher/-innen ins Archivund ins LiMo? Unsere Auswertung zeigt: Die Museumsbesucher/-innen haben großes Interesse daran, anhand von Manuskripten aus Vor- und Nachlässen – sonst im Archiv und nur sehr begrenzt zugänglich – einen alternativen Bezug zu Schriftsteller/-innen und ihrem gedruckten Werk zu bekommen. Begeistert angenommen wird auch, dass wir neben Objekten in Papierform eine umfangreiche Anzahl an Bildern und Gegenständen ausstellen, die auf vielfältige Weisen Einblicke in private Lebensumstände und in Beziehungsnetzwerke der Schriftsteller/-innen verschaffen.

 

Viele der Antwortenden interessieren sich auch für die Biografie der präsentierten Schriftsteller/-innen und freuen sich, mehr über Werkkontexte und individuelle Prozesse der Textentstehung erfahren zu können.

 

Eine besondere Attraktion ist – neben unseren literarischen Schätzen – die Architektur unserer Häuser, die von einigen Besucher/-innen als (zunächst) primärer Besichtigungsgrund genannt wird.

 

Bei aller Freude über den Zuspruch ist natürlich eine Frage besonders wichtig: Was können wir verbessern, um noch mehr Menschen zu erreichen, die vielleicht bis jetzt den Weg zu uns noch nicht gefunden haben? Was gelingt uns noch nicht so gut? Konkrete Vorschläge dazu können auf der Karte Das Literaturmuseum der Zukunft hinterlassen werden.

 

Sehr beliebt sind die interaktiven Tische in der Dauerausstellung zur Literatur des 20. Jahrhunderts. Mehrere Besucher/-innen wünschen sich daher einen Ausbau interaktiver Angebote und partizipativer Möglichkeiten in den Museen. Ein Kritikpunkt ist, dass weibliche Autorinnen und Nachwuchsschriftsteller/-innen in Archiv und Museen noch unterrepräsentiert sind.

 

Ein Schriftsteller, von dem wir eine ganze Reihe an wertvollen Exponaten in der Dauerausstellung präsentieren, wird auf überdurchschnittlich vielen Befragungskarten exemplarisch erwähnt: Franz Kafka, Er und sein Nachlass üben eine starke Faszination auf Literaturinteressierte aus.

 

Überhaupt zeigte sich im Zuge der Auswertung die Kreativität unserer Besucher/-innen, die ihre Rückmeldung öfter in Form liebevoller Zeichnungen ausdrückten. Erfreut waren wir auch über die Vielfalt der Nationalitäten, die unsere Institution besuchen: Wir bekamen unter anderem französisches, koreanisches, japanisches, spanisches und estnisches Feedback. (Und natürlich schwäbisches.)

 

Detailliertere Informationen zur Auswertung in kompakten Infografiken und eine repräsentative Auswahl an Fotos einiger der außergewöhnlichsten und kreativsten Befragungsergebnisse sind auf unserer Homepage zu finden: https://www.literatursehen.com/projekt/literaturmuseumderzukunft/

 

Und natürlich freuen wir uns auch sehr über Ihre und Eure Mitgestaltung des Literaturmuseums der Zukunft in Form weiterer Resonanz.

 

Annelie Schädt

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