literatur und kunst im lateinamerikanischen exil: lasar segall

Werke Segalls wurden erstmals 1910 in Dresden gezeigt, 1913 stellte er zum ersten Mal in Brasilien aus, wo seine Geschwister lebten. 1927 erhielt Segall die brasilianische Staatsbürgerschaft. Zehn Jahre später wurden einige seiner Gemälde in der NS-Ausstellung ›Entartete Kunst‹ in München gezeigt.

 

Segall war Mitbegründer der Dresdner Sezession Gruppe 1919 sowie der Sociedade Pró-Arte Moderna (SPAM), einer 1932 in São Paulo gegründeten Künstlervereinigung, die für die Verbreitung der modernen Kunst in Brasilien eine zentrale Rolle spielte und auch literarische Soireen veranstaltete. Nach seiner Übersiedlung nach São Paulo stand Segall mit Wassily Kandinsky, Paul Klee, Lyonel Feininger und Otto Dix in Kontakt. Segall pflegte aber nicht nur sein transatlantisches Netzwerk, sondern war auch in der brasilianischen Exilgemeinde, zu der u.a. Stefan Zweig und Ernst Feder gehörten, beheimatet. Segalls Ehefrau Jenny Klabin Segall übersetzte Goethes Faust ins brasilianische Portugiesisch. Der Nachlass des Malers befindet sich im Museu Lasar Segall in São Paulo.

 

Lasar Segall, der aufgrund von gegen Juden gerichteten Pogromen schon früh von seiner Heimat entfremdet wurde, entschied sich bereits früh für seine Wahlheimat Brasilien – auch aufgrund familiärer Beziehungen und einer früheren Reise, bei der er seine Geschwister in Brasilien besuchte. Zwei Jahrzehnte später folgten ihm Emigrantinnen und Emigranten, die auf der Flucht vor dem Nationalsozialismus ins lateinamerikanische Exil gingen. Sie wirkten dort in doppelter Hinsicht als kulturelle Mittler und Verbreiter demokratischer Ideen: Zum einen repräsentierten sie transnationale, liberale, antiautoritäre Ideen, zum anderen entwickelten sie aufgrund ihrer Erfahrung von Migration und Exil neue Schreibweisen und Kunststile.

 

Die Erschließung und Erforschung von deutsch- und mehrsprachigen Beständen im Kontext von Flucht und Exil stehen im Mittelpunkt der Initiative ›Global Archives‹. Mehr dazu unter https://www.global-archives.de/ Ein aus ›Global Archives‹ hervorgegangener Sammelband widmet sich den Zeugnissen des deutschsprachigen Exils in Lateinamerika, insbesondere in Argentinien, Brasilien, Mexiko und Uruguay und nimmt die literarischen und kulturellen Zeugnisse Lasar Segalls, Paul Zechs, Stefan Zweigs u.a. in den Blick: Sonja Arnold / Lydia Schmuck (Hrsg.), Romanisch-Germanische ZwischenWelten. Exilliteratur als Zeugnis und Motor einer vernetzten Welt, Berlin 2019.

 

Sonja Arnold und Lydia Schmuck

 

Beitragsbild: Lasar Segall: Navio de emigrantes. © Museu Lasar Segall, São Paulo.

 

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