wem sonst?

Hölderlins Widmung im Hyperion für Susette Gontard 1799 – ein Zitat aus dem vorab veröffentlichten Fragment von Hyperion, wo der Titelheld dem Denkmal des Dichters Homer mit den Worten »Wem sonst, als dir?« eine Locke opfert. 

 

Die heute wohl berühmteste Widmung der deutschen Literaturgeschichte wird das erste Mal 1926 von Franz Zinkernagel (1878–1935) in seiner Hölderlin-Ausgabe im Insel Verlag veröffentlicht. In seinen Vorarbeiten trägt Zinkernagel die Zeilenumbrüche mit Taktstrichen nach, als wolle er aus ihnen einen Blankvers machen – so wie es Hölderlin selbst beim Hyperion gemacht hat, den er von einem Prosatext in eine Versfassung umschrieb und dann wieder zurück in Prosa überführte.

Die Bedeutung der Marbacher Bibliothek verdankt sich nicht nur der schieren Menge der Bücher, sondern unzähligen Unikaten wie Hölderlins Widmungsexemplar und den zahlreichen Spezialsammlungen, unter denen wiederum die Autoren- und Gelehrtenbibliotheken hervorragen. Die Bücher, die eine Autorin, ein Autor um sich hat, verraten viel über ihn: Interessen, Vorlieben, Bildungsprozesse. Manche und mancher liest mit dem Stift in der Hand – spontane Randnotizen finden sich in keiner Werkausgabe und gewähren mitunter einzigartige Einblicke in das Denken und Schreiben eines Autors.

Annotationen von Martin Heidegger in seiner Hölderlin-Ausgabe.

Zu den herausragenden und meistbenutzten Autoren- und Gelehrtenbibliotheken im Deutschen Literaturarchiv Marbach gehören die Büchersammlungen von Gottfried Benn, Hans Blumenberg, Paul Celan, Ernst Jünger, Reinhart Koselleck, Siegfried Kracauer, Martin Heidegger, Hermann Hesse und W. G.Sebald.

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